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Dienstag, 22. März 2011

Anruf von Juan

Früh am Morgen klingelte das Telefon:
"Morgen wird mit der Montage der Turmhaube begonnen. Da müssen Sie unbedingt kommen..."
Mein alter Künstlerfreund Juan Fernandez war wieder einmal ganz außer sich vor Begeisterung. Wer ihn kennt, weiß wie emotional der in der Burg Engelsdorf wohnende Künstler seine Projekte gleichsam lebt. Das letzte Mal waren meine Frau und ich am 31. Januar vor Ort, um uns die Fortschritte am Bau des neuen Turmdachs anzusehen. Juan Fernandez zeigte stolz die „Poesie“ der exakten Holzarbeiten von Zimmerermeister Felix Mohn.

Gerne demonstrierte Mohn die bereits seit Jahrhunderten angewendeten zimmermannsmäßigen Holzverbindungsarten wie „Abgratung“ und „Auskehlung“, die „Zapfenverbindung“ und die leicht versetzte Variante „Schwalbenschwanz“ zur Queraussteifung des Dachstuhls. Zur Übertragung von Druckkräften in die breitere Turmwand wird in der Senkrechten ein „winkelhalbierender Versatz“ gebildet. Was der Zimmermann noch per Hand herstellen könnte, wird heute nach den Berechnungen des Ingenieurs mit der „cnc“-gesteuerten Fräsmaschine erledigt. „Auch Michelangelo hat mit dem besten Werkzeug seiner Zeit gearbeitet“, betonte Fernandez beim Ortstermin im Januar. Zu guter Letzt soll das insgesamt 12 Meter hohe Turmdach originalgetreu verschiefert werden.
Am 23. März soll es soweit sein, dass mit dem Aufstieg des Meisterwerks von Felix Mohn auf den Turm der Burg Engelsdorf begonnen werden soll.

copyright Text und Fotos: Max Günter Jagodzinska 

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