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Donnerstag, 8. März 2012

FANKULTUR - Wohin führt der Weg?

Zur Einleitung ein Zitat von Albert Camus:
"Alles, was ich über Solidarität weiß, habe ich beim Fußball gelernt."

Der französische Schriftsteller und Philosoph starb am 4. Januar 1960. Wenn man sich die Entwicklung in der Fanszene seitdem betrachtet, bleibt festzustellen, dass Camus diesen Satz im Jahr 2012 mit Sicherheit nicht gesagt hätte.

Vorfälle, wie der kriminelle Überfall einiger als Fans des 1. FC Köln verkleideter Chaoten auf einen Bus mit Mönchengladbacher Fußballfans, sind leider kein Einzelfall. Diese Straftat wird glücklicherweise strafrechtlich verfolgt, die große Mehrheit der Fans distanziert sich von der feigen Attacke und verurteilt sie aufs Schärfste. Das ist gut so.
Opfer sind in erster Linie die direkt Betroffenenen, bei denen sich die sportliche und technische Führung des 1. FC Köln entschuldigte. Die echten Fans des FC handeln ebenso. Opfer ist aber auch der 1.FC Köln, Opfer sind aber auch alle friedlichen Fans des 1. FC Köln, die sich nun unglaublichen Anpöbeleien ausgesetzt sehen.
Als David Nivel während der WM 1998 von deutschen Hooligans zum Krüppel geprügelt wurde, war das Entsetzen groß. Damals hatte Fußballdeutschland das Recht, nicht für den Amoklauf einiger weniger Schläger in kollektive Sippenhaft genommen zu werden. Unsere europäischen Nachbarn haben sich uns gegenüber dankenswerterweise fair und sportlich vehalten. Ich hoffe, dass die Fußballfans in Deutschland sich nach dem durch nichts zu entschuldigendern Vorfall den Fans des 1.FC Köln gegenüber ebenso verhalten.

In seinem Buch "Streunende Köter" schildert Domenico Mungo, wie sich die Hooligan-Szene in Italien in den 1990er-Jahren brutalisiert und vom tatsächlichen Fußballgeschehen entfernt hat. Mungo weiß worüber er schreibt, schließlich war er lange Zeit der "Capo" der Ultras beim AC Florenz. Oft wird vor den "italienischen Verhältnissen" gewarnt, zu denen die Verherrlichung von Gewalt auch und besonders außerhalb der Stadien gezählt wird.


Provozieren beim Auswärtsspiel - Im Schutz der Gruppe und durch die Sicherheit der Absperrungen nicht erreichbar fühlt sich mancher Zeitgenosse stark und dazu berufen, den großen Zampano zu spielen. 


In einer Rezension in der Februarausgabe von "11 Freunde" schreibt Ron Ulrich: "Auf deutsche Verhältnisse ... nicht übertragbar. Für die überwiegende Mehrzahl hierzulande sind das Geschehen auf dem Rasen und der Support auf den Rängen noch immer wichtiger als der ideologisch legitimierte Kampf auf den Straßen. Domenico Mungos Buch zeigt, was passiert, wenn die Waage sich zur anderen Seite neigt."

Auswärtsspiel - Vermummt und in der Gruppe  - Man sollte sich einige Gesichter mal genau ansehen - Warum diese Wut, warum dieser Hass ????

Die Waage hat sich am Sonntag auf der Autobahn bedrohlich Richtung falsche Seite geneigt. Wir können nur hoffen, dass ALLE echten Fußballfans den Chaoten die Rote Karte zeigen.

Anm.: Die Bilder zeigen Auswärts-Stadionbesucher, die sich unter die Fans des 1.FC Köln und die von Borussia Mönchengladbach gemischt haben.

copyright Text und Fotos:
Max Günter Jagodzinska
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