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Freitag, 22. August 2014

ZESAMME SIMMER STARK


„Die Elf von Peter Stöger hat sich in der vergangenen Saison die bedingungslose Unterstützung auch in stürmischen Zeiten verdient.“ So schreibt es der FC-Vorstand im Geißbockecho zum Auftaktspiel der Saison 2014/15. Stimmt, beim 1. FC Köln ist etwas gewachsen, was Hoffnung macht. Zusammenhalt von der ersten bis zur letzten Minute, vom ersten bis zum letzten Spieltag. Und dann wird im Mai 2015 der Klassenerhalt mit einer Riesenfete gefeiert.

Dass der FC tatsächlich in der ersten Liga angekommen ist, wurde mir so richtig bewusst, als ich vor knapp drei Wochen die Sky-Konferenz vom ersten Zweitliga-Spieltag angesehen habe. Bochum gegen Fürth war gerade dran, als meine Frau um die Ecke kam und wissen wollte, was für ein Spiel denn da lief. So richtig viel Ahnung hat sie ja eigentlich nicht vom Fußball, aber über den FC ist meine bessere Hälfte zwangsläufig immer bestes informiert. Der Dialog in Kurzform:
Frau: „Was schauste denn da an?“
Ich: „Zweite Liga, Konferenz, erster Spieltag.“
Frau: „Aso, da habt ihr ja nix mehr mit zu tun.“
Ich: Keine Antwort. Das breite Grinsen auf meinem Gesicht sagte mehr, als Worte es hätten tun können. Die für die Glücksgefühle zuständige Abteilung im Hirn nahm ihren Job auf, es war ein richtig, richtig supergeiles Gefühl.

Ein ganz besonderes Fenster - Transferfenster

Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie mag ich die zweite Liga – und jetzt ohne den FC sogar noch mehr. Ich werde mich weiter über Erfolge vom FC St. Pauli freuen, werde weiter schadenfroh bei jedem Punktverlust von Kaiserslautern schmunzeln und lasse mich überraschen, wer diesmal die Rolle von Paderborn übernehmen wird. Vielleicht liegt es ja daran, dass in fast jedem Zweitligaspiel einer oder mehrere alte Bekannte mit FC-Vergangenheit auf dem Rasen stehen. Wie war das nochmal beim Auftakt in Bochum? 15. Minute - 1:0 für den VfL – Torschütze Simon Terodde. 18. Minute – Ausgleich Fürth 1:1 – Torschütze Kacper Przybylko. Wäre übrigens ein guter Moment für Transferpolitikdauernörgler sich jetzt hier in den Text reinzuschleichen. Wie kann man nur ein Supertalent wie Schnellhardt ziehen lassen? Sind die zu dämlich, das Riesenpotential eines Sascha Bigalke zu erkennen? Das sind nur zwei beliebig gewählte Beispiele, es ließen sich jede Menge weitere finden. Garantiert versteckt sich irgendwo auch noch der Fachmann, der einst vor vielen Jahren das verborgene Talent von Adil Chihi gewittert hat. Leider wurde versäumt, das eigentliche Talent aus dem Versteck mitzunehmen, als der Junge die große Bühne Profifußball betrat. Im Lauf der Jahre wurde es zwar immer wieder mal kurzfristig gesichtet, aber richtig entdeckt wurde es nie. Eigentlich schade drum, gönnen wir dem Jungen, dass er sich in Fulham durchsetzt.

Das Transferfenster heißt wohl Fenster, weil ziemlich viel Geld durch selbiges hinausgeworfen wird. Dass der FC sich an diesem Spiel seit der neuen Geißbock-Zeitrechnung sehr zurückhaltend und vorsichtig kalkulierend beteiligt, ist allgemein sehr wohltuend zur Kenntnis genommen worden. Nun ja, ich kann mich mit dem Zoller-Einkauf noch immer nicht anfreunden, aber ich gehe auch davon aus, dass die Entscheidungsträger beim FC ihre guten Gründe dafür gehabt haben. Beim Simon Zoller ist das irgend eine Antipathie, die ich gegen ihn entwickelt habe. Aber damit bin ich freilich nicht in der Lage, den Fußballer Zoller korrekt einzustufen. Jetzt ist er einer von uns, und jetzt hoffe ich sehr, dass er das bringt, was man sich von ihm erhofft: viele Tore.

Überhaupt, wenn man so manche Diskussion über die Neuzugänge des FC verfolgt hat, kann man nur staunen, wie gut einige Experten die Spieler kennen. Da gibts Leute, die wissen echt alles über sagen wir mal Dusan Svento oder Pawel Olkowski. Die müssen die schon seit Jahren Woche für Woche beobachtet haben. Oder … müssten sie jedenfalls, wenn man deren Statements auch nur ansatzweise ernst nehmen will. Ich halte mich da lieber bedeckt, bevor ich beispielsweise Tomas Kalas in den Himmel hebe, mit dem Argument, dass er ja schließlich vom CL-Teilnehmer Chelsea kommt. Da muss der ja eine Granate sein. Nee, ich vertraue auf Peter Stöger, Jörg Schmadtke, Jörg Jakobs und Alexander Wehrle. Die wissen schon, weshalb sie so und nicht anders entschieden haben.

Pokalauftakt gelungen

Wer hat gesagt, dass die Freie Turnerschaft Braunschweig ein leichtes Los in der Auftaktrunde des DFB-Pokals sei? Ehrlich gesagt, ich schon. Ich habe direkt gesagt, dass das Erreichen der zweiten Runde ohne wenn und aber und trotz eigener Pokalgesetze und David-besiegt-Goliath-Fantasie eine Pflichtaufgabe sei. Jaja, aber die Erfahrung zeigt … Stop! Ist mir so etwas von egal, was die Erfahrung zeigt. Mit einer konzentrierten Leistung einen ganz normalen Sieg einspielen – nur das konnte die Vorgabe sein. Ich mache mal eine ganz kleine Änderung am tatsächlichen Spielverlauf: In der zweiten Minute titscht ein Lattenkopfball des kommenden Torschützenkönigs Anthony Ujah kurz hinter der Torlinie auf, der FC geht 1:0 in Führung und siegt am Ende erwartungsgemäß 5:0. Ich glaube, die kleine Änderung macht deutlich, wie unnötig das ganze Geunke über das 0:0 gewesen ist, als es torlos in die Kabinen ging, wie dämlich die ersten Schimpftiraden waren, die manch ein Spezialist voreilig via Twitter oder Facebook oder sonst ein Kommunikationsmedium los werden musste. „So einen Gegner musste zweistellig vom Platz hauen,“ ist auch eine beliebte Thekenweisheit. An der Theke mag der Spruch wohl analog zum jeweiligen Abfüllungsgrad des Gesprächspartners ein gewisses Maß an Zustimmung finden, aber damit ist's auch gut. Ich hoffe nun, dass das Los uns jetzt nicht ein Auswärtsspiel bei einem Ligakonkurrenten beschert, wundern würde es mich allerdings nicht. Wehe, wir müssen nach Wolfsburg, dann war's das mit meinen Sympathien für Maurice Exslager, den ich bis zu seinem verschossenen Elfer gegen die Hecking-Elf ganz nett fand.

Ett jeht widder loss

Dass unser Auftaktgegner in Müngersdorf mit seinen schlappen 27 Punkten tatsächlich nur auf Grund der Dreipunkte-Regel in der Liga geblieben ist, sollte uns genau so egal sein, wie der Sieg in Braunschweig keine Argumente dafür liefert, den FC nun in der Favoritenrolle zu sehen. Aber Angst braucht der FC vor diesem Gegner auch nicht zu haben, es geht für alle bei Null los. „Die Kölner Mannschaft ist für die erste Bundesliga ein Gewinn“, sagte Mirko Slomka auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Der Mann hat Ahnung. Bleibt zu hoffen, dass ihn eine gnadenlos offensiv auftrumpfende Geißbock-Truppe in seiner Meinung bestärken wird und er auf der Heimreise ohne Punkte im Gepäck seinen Jungs dann sagen kann: „Ich hab's euch doch gesagt, dass die Kölner bärenstark sind.“ Nur noch wenige Stunden, dann geht es endlich los. Ich freue mich schon tierisch auf unsere Hymne im ausverkauften Müngersdorfer Stadion und darauf, endlich wieder beim Erstligafußball in Kölle mitfiebern zu können.

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