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Dienstag, 28. Oktober 2014

BUNDESLIGAKICKER UND "KICKER"-NOTEN


"Da kann ich nur den Kopf schütteln. Wer vergibt eigentlich die Noten?", fragte jemand kürzlich als die Elf des 9. Spieltags des Kicker in einer Facebook-Gruppe diskutiert wurde.Es ist zwar schon ein Zeit lang her, dass ich zu diesem Thema einen Beitrag veröffentlicht habe, aber eigentlich stimmt der Inhalt noch immer. Schaut bzw. lest einfach mal:
 
 
Fachmagazine bewerten die Profikicker der Bundesligen nach jedem Spieltag mit Noten. Wie diese zustande kommen, verrät Jörg Jakob vom "kicker".
 



Ob der Lieblingsspieler einen guten Tag erwischt hat, ob die Lieblingsmannschaft den Sieg verdient hat oder die Niederlage berechtigt einstecken musste, ob der Schiedsrichter wirklich grottenschlecht war oder souverän gepfiffen hat - all das lesen Fußballfans in der Berichterstattung der Fachmedien oder den Grafiken der Sportsendungen im TV aus den Spielernoten heraus. Über Sinn oder Unsinn der individuellen Bewertung nach Schulnoten mögen intellektuelle Theoretiker streiten, Fußballfans jedenfalls lieben die Noten, die je nach dem Abschneiden der eigenen Mannschaft leidenschaftlich diskutiert werden.

Der "kicker" steht Rede und Antwort

"Wie kommen die Noten zustande?", lautete die Frage, die sechs Fachpublikationen in der Print- und Onlineberichterstattung gestellt wurde. Einzig das führende Sportmagazin "Kicker" gewährte einen Blick hinter die Kulissen; der stellvertretende Chefredakteur Jörg Jakob gab bei einem Telefongespräch bereitwillig Auskunft. In der Regel hat der kicker zwei oder drei Beobachter vor Ort, also im Stadion.


Am Anfang steht die Drei

Als Basis startet jeder Aktive mit der Note drei, von der ausgehend Plus- oder Minuspunkte im Verlauf des Spiels registriert werden. Bewertet werden beispielsweise Spielsituationen, das Zweikampfverhalten, die Spielübersicht oder die Einsatzbereitschaft. Dabei spielt die taktische Position des Spielers eine wichtige Rolle. Ein Stürmer wird bei mangelnder Torgefährlichkeit naturgemäß deutlicher abgewertet als ein Abwehrspieler. Bei einem Torwart moderner Prägung zählt nicht nur, dass er seinen Kasten sauber hält. Pluspunkte gibt es für das Mitspielen, das Eröffnen von Spielzügen nach vorne.


Neutralität ist das Maß der Bewertungen

"Das höchstmögliche Maß an Neutralität ist das Ziel eines jeden kicker-Beobachters", sagt Jörg Jakob, auch wenn jeder Mensch in seinen Einschätzungen in gewisser Weise subjektiv sei. Beim kicker hat der Leser ein Anrecht auf faire und objektive Berichterstattung, so Jakob. "Als Fachmagazin würden wir mit einer tendenziellen Benotung unweigerlich Totalschaden erleiden", ist er sich der der emotionalen Reaktion der Fußballfans bewusst. Als funktionierendes Regulativ führt Jakob die "wunderbare Eigenkontrolle unter Kollegen" an: "Beim Redaktionsgespräch nach den Spielen kommt alles auf den Tisch, da sagt jeder seine Meinung. Wenn es weit auseinander gehende Bewertungen geben sollte, dann wird das nochmals abgecheckt und neu bewertet."
Keine kollektiven Rundumschläge

Bei schlechten Leistungen einer Mannschaft ist relativ häufig zu beobachten, dass besonders die Sportressorts von Boulevardzeitungen dazu neigen, den Kollektivhammer auszupacken. Gnadenlos wird jeder Spieler mit einer fünf abgestraft, egal wie dessen individuelle Leistung auf dem Platz tatsächlich war. Auch in der Berichterstattung über die schönste Nebensache der Welt hat der Leser Anspruch auf Seriösität, der Sportler auf eine fairen Umgang. So versichert Jörg Jakob, dass es beim kicker dabei bleibt, dass die individuelle Benotung eines jeden einzelnen Fußballers nicht dem populistischen Fallbeil zum Opfer fällt.


Max Günter Jagodzinska
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