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Sonntag, 26. Oktober 2014

FC KÖLN FINDET GEFALLEN AM GEWINNEN


Mein Sohn ist jünger als ich. Alles andere wäre auch komisch, momentan bin ich etwas mehr als doppelt so wie er. Um das als Außenstehender irgendwie einsortieren zu können, fehlt noch die Information, dass er bald 30 Jahre wird. Schön, und warum sollte das irgend jemanden interessieren? Ganz einfach: Weil das alles im Zusammenhang mit dem Satz zu sehen ist, den mein Sohn mir direkt nach dem Sieg in Bremen ins ICQ-Fensterchen geschrieben hat: „Das ist der beste FC, den ich je gesehen habe.“ Ein kurzes Zögern, ein schnelles gedankliches Zurückrattern durch die einzelnen Jahre bis 1985, und die Erkenntnis … ja, da ist was dran. Wir alten Säcke müssen uns das echt ins Bewusstsein rufen, dass die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen den FC nie als Pokalsieger, nie als Deutschen Meister, geschweige denn als Double-Gewinner live erleben durften. Um so bemerkenswerter ist es, dass diese jungen Fans dem FC die Treue geschworen haben und sich durch nichts vom Geißbock abbringen lassen. Während die Oldies in schweren Tagen immer noch die Chance hatten, sich durchs Hintertürchen ins glorreiche Reich der Erinnerungen zu flüchten, hatten die Youngies (gibt’s da eigentlich kein echtes Wort als Gegenteil zu den Oldies?) in den 1990er und 2000er-Jahren nichts Anderes als ihre never ending Hoffnung auf bessere Zeiten. Respekt, Leute!

Der Beginn ist gemacht, wird es eine Serie ... ?
 

Eingewechselt - Tor geschossen - Auftrag erfüllt :-)

Über den Einstieg des Kölner Stadt-Anzeigers in seinen Bericht über den Auswärtserfolg des FC musste ich echt schmunzeln. „Der 1. FC Köln hat den zweiten Sieg in Serie eingefahren“, schreiben die. Zwei in Folge, die kleinstmögliche Einheit einer Serie, das birgt ungeahntes Potential, hat sich der Verfasser bestimmt gedacht. „In Serie“ liest sich aber auch irgendwie gewaltiger als einfach nur den „zweiten Sieg hintereinander“. Dabei haben die unseren Peter Stöger gar nicht Ernst genommen, als er nach der Pleite in Frankfurt genau das angekündigt hat: Den Beginn einer Serie mit dem BVB als erstem Serienopfer. Schön, so kann's weitergehen.
Mit einer echt starken Leistung hat der FC in Bremen bewiesen, dass man in der Abwehr auch Beton anrühren kann, ohne in di-Matteo-Schalke-Manier einfach alles nur abzublocken. Das Kölner Bollwerk funktioniert inzwischen nicht nur bei der Torverhinderung, die Umschaltaktionen Richtung Offensive werden kontinuierlich besser, das sah an der Weser schon richtig gut aus. Gefallen hat mir die Formulierung des Sky-Reporters, der zur Kölner Abwehr meinte: „Das ist weißes Granit“. Klar hatte der FC das nötige Glück, als nach dem Führungstreffer der Ball gegen den Pfosten knallte, aber ... nee, dass man sich das Glück verdient hat, schreibe ich jetzt nicht. Das ganze Spiel lässt sich im Grunde in zwei nach dem Abpfiff eingefangenen Sprüchen zusammenfassen. Clemens Fritz: „Wir haben uns bemüht.“ Anthony Ujah: „Ich kam rein für das Tor.“


Am Samstag wurde dann auch meine spekulative Frage beantwortet, ob der 1. FC Köln am Freitag in Bremen Robin Dutt vom Trainerstühlchen verdrängen würde. Nun denn, er hat, der Dutt ist weg. Ob man sich in Freiburg am kommenden Sonntag nach einer erneuten Pleite in Müngersdorf ähnliche Gedanken machen wird? Hmm, wohl eher nicht, auch wenn im Dezember 2011 die Sensation Gestalt annahm, als im Breisgau mit Marcus Sorg erstmals ein Trainer entlassen wurde. Sorg hatte das Amt übrigens von Robin Dutt übernommen, sein Nachfolger war ein gewisser Christian Streich. Den mag ich nicht, weil der immer wie ein Verrückter an der Linie rumturnt und bei jedem Schiripfiff gegen Freiburg am Rad dreht und die Leute hektisch macht. Andere mögen das vollen Einsatz oder Mitleben-des-Spiels nennen, aber für mich bleibt's, was es ist. Ablenkung vom eigenen Versagen und unsportliche Aufhetzerei der Zuschauer. Nichts gegen Begeisterung an der Seitenauslinie, nichts gegen engagiertes Auftreten und Pushen des eigenen Teams, aber wenn dabei der Respekt vor dem Gegner auf der Strecke bleibt, wird es unschön.
 
Die Erkenntnis setzt sich fort
 
Zum Abschluss bin ich diesmal verblüfft. Liest man bei den Männern in Schwarz etwa meine Berichte? Ich hatte letzte Woche den „Preis der Erkenntnis“ an Schiedsrichter Marco Fritz aus Korb verliehen, weil er Mkhitaryans Schwalbe erkannt und mit Gelb „belohnt“ hatte. Dass das viel öfter so sein müsste, habe ich verlangt und siehe da: Der „Preis der Erkenntnis“ wird zum Wanderpokal und geht weiter an Schiri Dr. Felix Brych. Erfreulich, dass Bremens Fallobst namens Junuzoviv nicht einfach so davonkam mit seiner Unsportlichkeit und ebenfalls den gelben Verwarnungskarton vor die Nase gehalten bekommen hat.
 
Freuen wir uns nun auf den Abstecher zum Auswärts-Heimspiel in Duisburg. Bitte siegen, FC, egal wie. Wir wollen doch alle bei der Auslosung zur nächsten Pokalrunde fingernägelkauend vor dem Fernseher sitzen und mit Spannung darauf warten, welche Zwischenstation dem FC auf dem Weg ins Finale nach Berlin präsentiert wird.
 
Max Günter Jagodzinska
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