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Mittwoch, 12. November 2014

IM RAUSCH DER TORE - 1. FC KÖLN AUF PUNKTEJAGD


Ein Leser meinte zu meinem letzten Beitrag: „Da sind die Kommentare im Express ja lesenswerter.Da sag' ich: „Fein, dann lies weiter den Express“. Mache ich selbst übrigens auch, kaufe zwar nicht das gedruckte Blatt, aber online, warum nicht. Ein anderer meinte zum gleichen Text: „Sehr gut analysiert und mir wie aus der Seele gesprochen.“ Da sag' ich: „Danke für das Kompliment, ich werde weiterhin aus der Sicht und mit der ungefilterten Emotion des FC-Fans schreiben.“

 Hört auf zu pfeifen, wenn ihr Kölner seid

Zu den meist diskutierten Themen nach der Pleite gegen Freiburg zählten sicher die Pfiffe von den Zuschauerrängen gegen das eigene Team. Junge, Junge, was war das für ein Rauschen im Blätterwald. Für mich gibt es da überhaupt keine Diskussion, ich bleibe bei meiner Meinung: Pfiffe gegen den FC sind ganz einfach absolute Megakacke (Hier möchte ich eine prophylaktische Entschuldigung einbauen, gerichtet an den Herrn Literaturkritiker, der mir in einem Kommentar seine Mithilfe angeboten hat und meinte, „an deinem Stil müssen wir aber noch arbeiten“). Das eigene Team zusätzlich noch mit Pfiffen zu verunsichern, wenn das laufende Spiel eben mal nicht läuft, ist ja auch extrem hilfreich … Werden wir es ändern können? Nee, keine Chance, pfeifende Anti-Supporter kriegen es ja noch nicht einmal mit, dass sie mit ihrem Verhalten eben nicht „durch et Füer jonn“.

Ob Peter Stöger das Thema verbal so intensiv befeuern musste, sei mal dahin gestellt. Im Nachhinein betrachtet war das eigentlich sogar eine Reaktion aus der Enttäuschung heraus, die man von einem echten FC-Fan genau so erwarten durfte. Es spricht bestimmt nichts dagegen, dass ein Trainer auch Fan seines eigenen Teams sein darf, ganz im Gegenteil. Lieber einen ehrlichen und vollkommen authentischen Peter Stöger als beispielsweise einen selbstverliebten Roberto di Matteo (nicht dass die Schalker ihrem Keller noch hinterher weinen werden).

Unfassbar, und doch wahr

Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich mit ganz sicher war, dass das Spiel in Sinsheim wirklich so abgelaufen ist, wie ich es am Samstag im TV gesehen habe. Ein 4:3 Auswärtssieg des FC bei den bis dahin zu Hause unbesiegten Hoffenheimern, die in den bisherigen fünf Heimspielen gerade mal fünf Gegentore kassiert haben. Ein Spielverlauf, wie ihn selbst ein Steven Spielberg nicht packender hätte in Szene setzen können. Man weiß ja nie, was einem die Fernsehmacher so alles unterjubeln, um die Einschaltquote zu pushen. Selbst die Landung eines Menschen auf dem Mond haben die vor ein paar Jahren so realistisch gedreht, dass man fast glauben konnte, es wäre wahr ... Nun, inzwischen bin ich mir sicher und sage „Danke FC“, nein nicht für die Mondlandung, danke für diesen grandiosen Samstagnachmittag.

Da hat der Peter Stöger aber mal wieder alle so richtig reingelegt mit seinen drei Sechsern in der Startelf. Ach du Schande, noch mehr Beton, noch mehr hinten rum spielen, dachten nicht wenige (vielleicht sogar die meisten), als sie die Startelf gesehen haben. Denkste, das war eine Rotation mit Verwirrungsfaktor 1000 auf der bis 1000 gehenden Rotationsverwirrungsskala. Ich weiß nicht wieso, aber nach dem Ujah-geht-durch-die-Wand-Tor zum 3:1 habe ich zum mitschauenden Sohn gesagt: „Hoffentlich halten wir die Führung bis zur Halbzeit, dann packen wir's.“ Und dann kam dieser Firmino - nichts, absolut nichts zu sehen von ihm in den ersten 38 Minuten – und macht zuerst den Olkowski nach und gibt dann dem Ball auf dem Weg ins Irgendwohin mit den Haarspitzen eine minimale Richtungsänderung mit, die das Irgendwohin urplötzlich zum Kölner Kasten werden lässt. Da sitzt du sprachlos vor dem Bildschirm und grummelst vor dich hin, den Frustbrüller mühelos im Zaum haltend.

Zurück zur Defensive mit Nadelstichtaktik

Ist ja noch 'ne Halbzeit. Ist das gut oder schlecht? Bei diesem Spielverlauf verliert jeder Hobbypsychologe seine Daseinsberechtigung, wenn er nicht an den psychologisch wichtigen Moment erinnert. Damit ist die Frage beantwortet: Es ist schlecht, der FC kann das Spiel abhaken. Und schon wieder denkste. Besagter Roberto Firmino fasste nach dem Spiel fassungslos, ja geschockt zusammen: „Wir haben gut gespielt, alles versucht ...“ Stimmt, sogar eine alberne Schwalbe als Verzweiflungstat. Ha! Bestraft durch Pawels zweiten Hammer. War das schön …, nein, es war nicht, es ist immer noch schön. So schön, wie das Grinsen von Mathias Lehmann nach seinem genialen Freistoßtor – wo hat der den nur hergeholt?

15 + 11 + 11 = Platz 13

Nach dem ersten Saisondrittel 15 Punkte, das ist richtig gut. Spielen wir mal den Blödsinn mit der Zahl elf ein wenig mit und machen eine kleine Hochrechnung. Nochmal elf Punkte im zweiten Drittel und noch mal elf Punkte im dritten Drittel, das reicht. Mit 37 Punkten wäre der FC in der letzten Saison auf Platz 13 gelandet. Mehr wollen wir doch gar nicht, oder?

Glückwunsch, Jonas Hector

Dass Jonas Hector in den Kreis der Nationalelf gehört, na klar, das wussten wir doch alle schon lange. Nun hat nach teils mehr als überraschenden Versuchen endlich auch der Bundestrainer bemerkt, dass eine Lösung seines Problems für die linke Außenverteidigerposition nur aus Köln kommen kann. Aber wenn, dann bitte mehr als nur ein Alibi-Einsatz gegen Gibraltar, Herr Löw. Mach ett jood, Jonas.

Zum Schluss ...

... gibt es den neu geschaffenen Pokal für die Entdeckung außergewöhnlicher Lebensformen. Erster Preisträger ist Sky-Kommentator Wolff Fuss, der Werders Zlatko Junusovic beim Sieg der Bremer gegen den VfB Stuttgart vor der Ausführung eines Freistoßes als die „Fleisch gewordene Standardsituation“ beschrieb. Da muss man erst Mal drauf kommen.

Max Günter Jagodzinska
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