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Montag, 8. Dezember 2014

1. FC KÖLN – SPÜRBAR ANDERS


Habe ich das neue Motto des FC etwa falsch verstanden? Also, mir wurde nach dem zweiten Tor der Augsburger „spürbar anders“, und zwar so furchtbar spürbar anders, wie ich es überhaupt nicht mag. Aufarbeitung sei angesagt, meinen die Experten. Das Problem ist nur, dass eigentlich alles klar und deutlich zu sehen ist, und abgefälschte Bälle lassen sich nicht aufarbeiten. Abgefälschte Bälle trudeln an jedem Spieltag unhaltbar in irgendein Tor. Dass das zur Zeit grundsätzlich das FC-Tor ist, darf man in die „Fehlendes-Quäntchen-Glück-Schublade“ einsortieren.

70 % Ballbesitz, na und

Augsburgs Trainer Weinzierl argumentierte in der Pressekonferenz nach dem Spiel: „Wir haben in der ersten Halbzeit 70 % Ballbesitz gehabt und sind einmal ausgekontert worden“. Na gut, da mache ich doch gerne eine betrachtende Aufarbeitung. Lieber Weinzierl, ihr habt in den ersten 15 Minuten in Müngersdorf sogar geschätzte 80 % Ballbesitz gehabt. Hört sich prima an … wenn man's nicht gesehen hat. Zu sehen waren in der ersten Viertelstunde zwölf Minuten Ballgeschiebe in der Augsburger Spielhälfte mit gerade mal zwei oder drei zaghaften Versuchen, die Mittellinie zu überschreiten. Ja, und das mit dem „einmal ausgekontert“ darf man sicher als Paradebeispiel in das „Lehrbuch der Fähigkeiten zur selektiven Wahrnehmung bei sportlichen Übungsleitern“ aufnehmen. Ausgekontert wurden die Augsburger bereits in der zweiten Minute und dann weitere vier oder fünf Mal, leider brachte nur ein Konter etwas Zählbares für den FC.

Halbzeit zwei – zum Vergessen

Schönreden hilft nix, also muss auch die zweite Halbzeit angesprochen werden. Die Auswechslung von Svento hat Peter Stöger damit erklärt, dass „Dusan nach seiner langen Verletzungspause nicht so drauf sei, dass er länger spielen könne“. Wenn ich mir die Einsatzminuten von Svento in den letzten Spielen so anschaue, dann bin ehrlich gesagt leicht überfordert, das zu verstehen. Aber gut, es sei vorher so abgesprochen gewesen, wurde später nachgeschoben. Warum man sich das Spiel aus den Händen hat nehmen lassen, weiß keiner, und das ist sehr bedenklich. „Ich kann Ihnen aus der Hüfte heraus auch nicht sagen, wieso das passiert ist“, antwortete ein sichtlich nervöser Peter Stöger – ich habe ihn nie zuvor während einer PK so unruhig auf seinem Stuhl hin- und herrutschen gesehen - auf die entsprechende Frage. Zumindest die Einsicht, sehr viele einfache Fehler gemacht zu haben, ist vorhanden, und daran kann man im Lauf der Woche arbeiten.

Mir stonn zesamme

Als FC-Fan hat man es zur Zeit echt nicht leicht, aber tendenzielle Stimmungsmache wie sie der Kölner Stadt-Anzeiger am Montag meinte mit dem Bericht „Fans nehmen Stögers Taktik auseinander“, an die Theke liefern zu müssen, werden wirkliche Fans ganz sicher nicht mit Zustimmung befeuern. Gerade in dieser Situation heißt es: Mir stonn zesamme. Natürlich ist Kritik angebracht, und auch als Fan braucht man sich nicht den Mund verbieten zu lassen. Aber bei allem Verständnis für den Frust, der einfach raus muss, jetzt eine Trainerdiskussion anzuzetteln, und nichts anderes macht der KStA auf hinterlistige Art und Weise, indem man sich negativer Facebook-Stimmen als Basis bedient, hilft einzig und allein der über Schlagzeilen generierten Auflage. Spätestens mit der Zeile, in der dann auch noch das leidige Podolski-Thema aufgewärmt wird, wird die Tendenz überdeutlich: Unruhe stiften.

Man kann über alles reden, ich versuche auch zu kapieren, wieso Dominic Maroh auf einmal aus der stabilen Abwehrreihe genommen worden ist, ich möchte auch wissen, warum die Taktik immer derart zurückhaltend bis ängstlich ist. Aber indem man nur noch rumzetert und auf den Negativergebnissen rumhackt wird man eins mit Sicherheit nicht bewirken: Nämlich, dass es wieder aufwärts geht. Glaubt irgend jemand, dass die Spieler Spaß daran haben, Spiele so ärgerlich zu verlieren, wie die gegen Freiburg, Hertha oder Augsburg? Ja, es muss sich was tun, nach jeder Pleite „Mund abputzen und weiter“ zu verkünden, kann es nicht sein. Dass das Trainerteam und die Mannschaft genau das wissen, davon bin ich überzeugt, und deswegen vertraue ich darauf, dass der Negativtrend sich bald umkehrt.

Das müssen wir durchziehen

Zum Schluss kommt noch einmal Peter Stöger zu Wort: „Das Entscheidende ist, daran glauben, dass man das schaffen kann. Da gehört eine gewisse Konsequenz zu, das müssen wir durchziehen.“ Und ganz zum Schluss die nette Mail eines Kollegen – ja, der ist nett, obwohl er Fan der Elf vom Niederrhein ist – mit dem ich mich gestern unterhalten habe: „Hallo Jago, vielen Dank für das Foto. Viele Grüße und alles wird gut. Der Stöger ist ein Guter.“
 
Max Günter Jagodzinska
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