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Sonntag, 22. Februar 2015

1. FC KÖLN SAMMELT PUNKT UM PUNKT


Vom Hinspiel in Hannover ist mir besonders das erste Bundesliga-Gegentor gegen Timo Horn in Erinnerung geblieben, und zwar in ganz schlechter. Der frühe Treffer von Joselu resultierte aus der ersten und einzig echten Chance der Niedersachsen und besiegelte eine Niederlage, wie sie ungerechter kaum sein kann . Selbst der Kicker schrieb „Köln haushoch überlegen“ und „ … Bis zum Schlusspfiff blieb es ein einziges Powerplay des Aufsteigers ...“. Inzwischen wissen wir, dass es nicht das einzige sieglose Spiel geblieben ist, das der FC hätte gewinnen können oder sogar müssen. Im Lauf einer Saison gleicht sich alles aus, so lautet doch eine alte Weisheit, am Samstag würde ich die beim zum „Topspiel der Woche“ erkorenen Partie gerne bestätigt sehen.

Was sagt die Tabelle?

TV-Topspiel, das heißt, dass die anderen Partien dann gerade abgepfiffen sein werden, die Auswirkungen des nun gleich beginnenden Spiels auf die Tabelle können in aller Breite und Flachheit hin und her diskutiert werden und … natürlich, im Vorlauf gibt’s schön viel Zeit für Befindlichkeitsbekundungen von vorschlagsweise dem Platzwart aus Buxtehunde bis hin zum Oligarchen-Freund Beckenbauer, die alle mit „Auch wir distanzieren uns ...“ beginnen. Den Rest ersparen wir uns, und verfolgen das schwebende Verfahren mal lauthals lachend ob der Dummheit einiger irre geleiteter Sprücheklopfer, mal kopfschüttelnd ob der bornierten Sturheit uneinsichtiger Vereinsschädiger, und immer öfter sehr besorgt ob der Zerstrittenheit der inflationär abgegebenen unüberlegten Hin-und Herschuldzuweisungen und unnötiger Besserer-Fan-Sein-Argumentationen.

Es geht um den 1. FC Köln, der im Heimspiel gegen Hannover 96 mit einem Sieg dem Erreichen des Saisonziels ein gutes Stück näher kommen kann. Peter Stöger hat nach der Teilnahme am Rosenmontagszug richtig erkannt, dass es ein Privileg ist, diesen Club zu repräsentieren und gesagt: „Und ich bin sicher, dass die weit überwiegende Zahl unserer Fans umgekehrt genauso weiß, für was sie ins Stadion gehen: Nämlich für den 1. FC Köln und für seine Mannschaft. Nur darum geht es, und das würden wir auch am Samstag gerne spüren. Wir werden unseren Teil dazu beitragen.“

5. Minute – déjà vue

Hannover 96 + Joselu + fünfte Minute = 0:1. Kopfball – Latte – Torwartschulter und da war es, das Gegentor, wie es blöder kaum fallen kann. Ein Musterbeispiel für die Außerkraftsetzung der ausgleichenden Gerechtigkeit. Na wenigstens kam das Glück ein Stückchen weit zurück, als sich gleich zwei Hannoveraner als Passgeber für das verdiente Ausgleichstor durch Anthony Ujah hervortaten. Auch wenn es wieder nicht zu einem Heimsieg reichte, war die Leistung schon um einiges besser als bei den Nullnummern gegen Stuttgart und Paderborn. Ein Punkt gewonnen, das ist kein Grund zur Freude; zwei Punkte liegen gelassen, das ist kein Grund zur Trauer. Es bleibt dabei, der Abstand zum Relegationsplatz bleibt auch nach diesem Spieltag bei drei Punkten. Am kommenden Wochenende wird viel darauf ankommen, wie die anderen Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte spielen, damit zumindest das Abrutschen auf Platz 16 verhindert wird. Es mögen viele Fachleute stur behaupten, man schaue nicht auf die anderen, sondern nur auf sich selbst. Blödsinn ist das, natürlich schauen die auf die Ergebnisse der direkten Konkurrenten.

Drei Punkte Abstand

Schauen wir einfach mal auf die Partien der Mannschaften, die momentan hinter dem FC liegen: Der HSV gewinnt nicht in Frankfurt, Paderborn verliert in Mönchengladbach, Freiburg verliert in Leverkusen, Berlin gewinnt gegen Augsburg, Stuttgart spielt Unentschieden in Hannover. Selbst wenn der FC in München verlieren sollte, bleibt es bei drei Punkten Abstand. Und nicht zu vergessen: In den letzten zehn Jahren hat der 1. FC Köln bereits zwei Mal gegen die Bayern gewonnen, träumen ist erlaubt. Und nun realistisch, in erster Linie sollte es darauf ankommen, das relativ gute Torverhältnis, das einen Punkt wert sein kann, nicht kaputt schießen zu lassen.

Die Stimmung leidet ...

Zum Abschluss ein kleiner Blick auf die Stimmungslage. „Es tut mir für Fans und Zuschauer und Mannschaft leid, denn dieses Theater belastet, bewusst oder unbewusst. Es sind Nebenkriegsschauplätze, die den Verein viel Kraft kosten und die nicht so leicht zu organisieren sind wie andere Entscheidungen.“ Nein, nicht von FC-Seite gesagt, dieses Statement stammt von Hannovers Clubchef Martin Kind. Schade, schade, dass auch in Köln viel zu viel über Dinge geredet werden muss, die dem Verein, der Mannschaft und letztlich auch jedem Fan schaden. Auf den DFB braucht man nicht zu zählen bei der Bewältigung der Krise, die im Grunde genommen eine gesellschaftliche ist und im Fußball ein Ventil gefunden hat. Der DFB macht es sich zu einfach, indem er Strafgelder einsackt und den Vereinen mit allen möglichen Sanktionen ihre Arbeit erschwert. Hier wäre von der Führung her eine gründliche Aufarbeitung angesagt, aber dazu gehört Solidarität unter den Vereinen und den Fans. Gibt es so etwas noch? Schön wär's ...
Max Günter Jagodzinska
mail: 1951er@jago1.de
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