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Montag, 9. Februar 2015

HEIMSIEG – WAS IST DAS?


Wenn eine Mannschaft die Räume eng macht, muss man einfach schneller durchspielen, und das hat der FC ab der 60. Minute in der ein oder anderen Situation ganz gut gemacht. So hat es jedenfalls Timo Horn nach dem erneuten Heim-Unentschieden gegen den VfB Stuttgart gesehen. Die „ein oder andere Situation“ täuscht zwar nicht darüber hinweg, dass es insgesamt etwas dürftig war, was beide Mannschaften abgeliefert haben, aber Optimisten wie ich - und das sind wir im Grunde genommen doch alle irgendwie – glauben, darin einen winzig kleinen Fortschritt im so oft erwähnten Entwicklungsprozess erkennen zu dürfen. Die äußerst vorsichtige Formulierung kann am Samstagabend hoffentlich etwas zuversichtlicher ausfallen, wenn die Mannschaft es geschafft haben sollte, Ernst zu machen mit dem Vorsatz von Timo Horn: „Für Samstag müssen wir uns vornehmen, dass wir das von der ersten Minute an einfach machen.“ Genau, der FC spielt zu Hause gegen einen Mitaufsteiger, der sich gerade in den Sinkflug begeben hat. Da wäre es ganz schön blöd, den mit einem Punktverlust zu bremsen.

Kein Trömmelche

Ich habe bis zur letzten Sekunde gehofft, dass der Ball doch noch hinter Kruse im Paderborner Kasten einschlägt, sei es durch ein doofes Selbsttor, wie es später dem HSV zwei Mal geschenkt worden ist oder durch einen hammermäßigen Fernschuss. Aber wieder nix. Datt Trömmelche jeht nit mih und das Kölner „Heimspiel-nicht-gewinnen-Gen“ (siehe Bericht letzte Woche) bleibt in Müngersdorf dominant. Übersetzung: Es gab mal wieder keinen Anlass, das FC-Torlied erklingen zu lassen, und Kölns Stürmer vergaben selbst hochkarätige Torchancen kläglich. Kurzform: Endergebnis 0:0.

Think positive

Was macht man nach so einem Spiel? Auf keinen Fall innerhalb der ersten halben Stunde nach dem Abpfiff auf Twitter, Facebook oder sonst wo einen Kommentar loswerden, das geht erfahrungsgemäß zu mindestens 95 % ins Auge. Was tun? Am besten erst Mal tief durchatmen, Augen zu und die Gedanken sortieren. Da kommt eine Gastmannschaft, die darauf aus ist, einen Punkt mitzunehmen. Eventuell einen Zufallstreffer landen und sogar als Sieger vom Platz gehen. Das haben wir in der Hinrunde mehrfach ertragen müssen. Jetzt gab es zwei mal hintereinander die gleiche Voraussetzung, aber zum Glück mit einem besseren Ergebnis. Der Lattentreffer von Stuttgart war verdammt eng, der eine Eckball von Paderborn war verdammt eng, aber beide nicht drin. Dazu kommt, dass die Torchancen vom FC wieder mehr und mehr werden. Also, ich bin jedenfalls guter Hoffnung, dass es schon sehr bald wieder einen Heimsieg geben wird. So, das war mein Versuch, mich auf positive Art abzuregen. Hat halbwegs geklappt.

In den Netzwerken sind ja ganz schön viele Leute unterwegs, bei denen das offensichtlich nicht geklappt hat. Dabei ist die Absicht, „Spieler in die Tonne kloppen“ zu müssen noch ein eher harmloses Statement, andere begeben sich noch ein ganzes Stück weiter auf der Aggressionschiene – die nur ins Abseits führen kann. Entschuldigung, aber da erlaube ich mir die Frage, ob die noch richtig ticken? Zur Erinnerung: Der FC hat in der Rückrunde noch kein Spiel verloren und noch kein Gegentor kassiert. Fünf Punkte aus drei Spielen, ist das gar nichts? Der FC steht punktemäßig voll im Soll. Wo die Punkte gesammelt wurden, interessiert nach dem 34. Spieltag keinen mehr, Hauptsache es sind genug, um mindestens Platz 15 zu halten. Dämliche, teils zynische Bemerkungen und Kommentare gibt’s doch von anderer Seite mehr als genug, da sollten sich FC-Fans eigentlich dafür zu schade sein, den eigenen Verein mies zu machen. So, das musste jetzt sein. Aber nicht falsch verstehen, ich kritisiere selbst auch so manche Entscheidung des Trainergespanns. Aktuell zum Beispiel: Risse gegen Paderborn auf die Bank setzen – nee, für mich nicht nachvollziehbar. Oder in der Hinrunde: Mavraj für Maroh bringen und die bewährte Abwehrformation auseinander nehmen – habe ich kein Verständnis für. Mimosenhafte Reaktionen vom Trainer nach leichten Ansätzen berechtigter Kritik – was soll das, wer überschwänglichen Jubel nach Erfolgen genießt, muss sich auch mal enttäuschten Stimmen stellen.

FC Auswärtssieg – kein Karnevalsscherz

Ach ja, der FC, seit 1964 (erstes Spiel live in Müngersdorf gesehen) macht der mich Woche für Woche bekloppt, übernimmt das Kommando über meine Stimmungslage und kostet mich Zeit, Nerven und Geld … Sich dagegen wehren? No chance! Also steigert sich jetzt im Verlauf der Woche mal wieder der Adrenalinspiegel und erreicht am Samstag einen Höchstwert. Im Moment glaube ich noch, dass von einem 4:0 Auswärtssieg bis zu einer genau so hohen Schlappe alles drin ist. Ein 0:0 in Mönchengladbach wäre sicher auch für notorische Nörgler ein Ergebnis, an dem es nichts zu nörgeln gäbe. Gar nicht auszudenken, was ein knappes 1:0 für Kölle am Karnevalssamstag für Emotionen frei setzen würde. Egal, ob die anderen besser gewesen wären, ob verdient oder nicht, damit wäre für längere Zeit erst Mal Schluss mit dem ständigen Hinterfragen von Aufstellungen und Auswechslungen – es wäre feiern angesagt, feiern und nix anderes, und dann am Karnevalssonntag und am Rosenmontag weiter feiern und der Aschermittwoch würde ausfallen. Ich träume mal weiter und lasse mich dabei nicht stören – von keinem!

Der unflätige Herr Schmidt

Herrlich, herrlich, der Platzverweis vom gelernten Werkzeugmechaniker mit erfolgreicher Ausbildung zum Fußballtrainer Roger Schmidt beim Spiel in Bremen. Der Mann, der im April 2014 von einem Konzernverein in Österreich zum nächsten in Deutschland gewechselt ist (passt also), hat vielleicht sogar Recht gehabt, als er mit der Pfeiferei vom Schiri nicht so ganz einverstanden war. Der arme Tobias Stieler war als vierter Offizieller am Seitenrand aber ganz und gar nicht damit einverstanden und hat bei seinem Chef Peter Sippel gepetzt, dass Herr Schmidt böse Wörter gesagt habe. Die müssen derart böse gewesen sein, dass die Umgangsformen der gesamten Fußballgesellschaft in Verruf zu geraten drohten. Klarer Fall also, es gab nur eine Möglichkeit und die hieß: Rote Karte wegen „unflätigen Vorsichhinschimpfens“. Ich freue mich richtig auf das Spiel, in dem Tobias Stieler mal an Jürgen Klopp oder Christian Streich gerät.
Max Günter Jagodzinska
mail: 1951er@jago1.de
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