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Freitag, 8. Juli 2016

Galerie "Alte Weberei" zeigt Martina Kissenbeck, Michael Vogt und Herbert Koller


Rödingen. Bei Ausstellungen in der Galerie Alte Weberei in Rödingen ist es Usus, dass zur Eröffnung keine Vernissagen arrangiert, sondern ganz einfach die Pforten geöffnet werden. Sicher mag das gesellschaftliche Ereignis mit Laudatio und Sektempfang seine Reize haben, in der Alten Weberei jedoch sprechen vom ersten Moment an die Kunstwerke für sich – und das ist gut so.


 In der aktuellen Gemeinschaftsausstellung zeigt Galeristin Brigitte Habig eine Kombination dreier sehr unterschiedlicher Ausdrucksweisen. Die Bilder und die Installation von Martina Kissenbeck, die Gemälde von Michael Vogt (links) und die Objekte von Herbert Koller (rechts) verlangen und verdienen jeweils eine gesonderte Betrachtung.




Die Dame im Kreativ-Trio, Martina Kissenbeck, hat aus einer Reihe figurativer Darstellungen die abstrakte Serie „Die Ungewissheit der Farbe“ entwickelt. Sie möchte, dass sich der Betrachter mit ihren Werken beschäftigt, in eine Konversation eintritt. Nur wenn man dazu bereit ist, findet man Zugang zu dem, was die Malerin beschäftigt. Das Bild aus der Distanz in seiner Gesamtheit aufnehmen, dann näher herangehen, der Struktur nachspüren und erneut auf Distanz gehen. Mit dieser Annäherung an das Werk wird die Abstraktion erfassbar. Doch sie bleibt schwierig, bei der Mehrzahl der gefragten Betrachter überwiegt ein Gefühl der Ratlosigkeit. Neben ihren großformatigen Bildern zeigt Martina Kissenbeck die Installation „Fünf Frauen im Kreis“, eine Hommage an die Weiblichkeit.




Michael Vogt bewegt sich mit seinen Bildern mit wechselnder Annäherung in einem Bereich zwischen Realismus und abstrakter Malerei. Wenn er sagt „Ich habe das so gesehen“, dann kann man das akzeptieren – man muss lediglich die Augen schließen und sich in diese Landschaft hineinträumen. Die Konturen in seinen mit überwiegend warmen Farben gemalten Landschaften scheinen im weichen Licht kurz vor der Auflösung zu stehen. So wie sie einem an einem warmen Sommertag im angenehm schläfrigen Zustand bei einem Urlaub in der Toscana vorschweben könnten. Passend dazu kokettiert Vogt damit, dass er zur seltenen Spezies der „plein-air“-Maler zählt.



Würfel zur Mode
Thema: Mode / Die Schönheit von Tieren.
Gestaltung von Bildern aus Modezeitschriften, gestreckt und matter gemacht; wie durch ein Kaleidoskop gesehen. Innen ergänzt durch Vögel aus verschiedenen Kulturen. 

Würfel zum Blick auf die Blumen
Thema: Gyration (Drehung im Kreis),
 Muster mit zwei Drehpunkten.
Betritt man die Weberei-Scheune, findet man sich unversehens in einer spektakulären, in sich geschlossenen und dennoch offenen Welt wieder. Herbert Koller präsentiert mehrere Würfel, die sich auf den Quantenkosmos und die Phänomene des alltägliche Lebens beziehen. Jeder einzelne ausgestellte Würfel ist in seiner perfekten Symmetrie trotz der als groß empfundenen Ausmaße ein winziger Bestandteil des Kosmos. Als solches greift er jeweils ein Thema auf und gibt, da er oben offen bleibt, den Einblick frei in die innere inhaltliche Ebene. Die Darstellungen auf den Außenflächen wiederum führen in die äußere transzendierende Dimension. Dem Kunstfreund bietet sich so die Gelegenheit, in eine gedankliche Reflexion einzutreten, wobei es lediglich eine Frage der Zeit ist, wie tief man in die einzelnen Facetten von Kollers Kosmos eintauchen möchte. Es lohnt sich, besonders in Verbindung mit einem Gespräch mit dem Künstler. (jago)

Max Günter Jagodzinska
mail: 1951er@jago1.de
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