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Donnerstag, 30. Juni 2016

Archäologie im Schatten der Braunkohlebagger

Tag der Archäologie - 02. Juli 2016 - Titz Höllen
 
Jupiterstatue mit Ganymed, gefunden im Römerbrunnen
 
Höllen. Gefunden, dokumentiert, zerstört. So könnte die letzte Station im Daseinsrhythmus einer hochmittelalterlichen Siedlung (13./14. Jahrhundert) beschrieben werden, die die Archäologen der LVR Stiftung „Archäologie im Rheinischen Braunkohlerevier“ im Indener Tagebau entdeckt haben. Markantestes Objekt darin ist ein aus Steinen von einem Meter Stärke errichteter massiver Wehrturm mit den Außenmaßen sieben mal sieben Meter. Die letzte Chance, diese geschichtlich hochinteressante Siedlung zu besichtigen, bevor sie in Kürze von den Baggern aus dem Weg geräumt wird, besteht am kommenden Samstag. Als eine Hauptattraktion bietet der LVR Rheinland an seinem Tag der Archäologie Busfahrten zur Ausgrabungsstelle und zu einer etwa 200 Meter entfernt liegenden weiteren an. Dort versucht ein Team von der Uni Bonn bei der einstigen Kapelle Vilvenich zu ergründen, inwieweit der romanische Bau auf älteren Anlagen, vielleicht sogar auf einer Holzkirche der Karolingerzeit (9. Jahrhundert), errichtet wurde. Zweite Säule des Archäologietags sind das bewährte Rahmenprogramm und diverse Präsentationen auf dem Gelände der Außenstelle Titz des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege in Titz-Höllen. Dort wird ein römischer Steinbrunnen mit einer erhaltenen Höhe von sechs Metern ab Podest in einem Viertelkreis wieder aufgebaut. Eine Jupitersäule, besonders selten durch die Darstellung des angelehnten Hirtenknaben Ganymed, lässt durch ihre Beschädigungen auf die barbarische Zerstörung religiöser Symbole schließen.
 
 
 Ganz besonders gespannt sein darf man auf die Öffnung einer 2800 Jahre alten Urne durch Restauratorin Stella Oppl. Neben Leichenbrand könnten eventuell spektakuläre Beigaben freigelegt werden. (jago)
 
Max Günter Jagodzinska
mail: 1951er@jago1.de
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