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Donnerstag, 12. Juli 2012

Aus Titz in den Olymp der Crime-Ladies

PETRA HAMMESFAHR

Ein Interview mit der Bestseller-Autorin aus Titz


Der Lebenslauf von Petra Hammesfahr, einer der erfolgreichsten deutschen Krimi-Autorinnen, ist der einer Kämpferin. Das 1951 in Titz geborene Mädchen hat schon in der Volksschule über eine ausgeprägte Vorstellungsgabe und Phantasie verfügt, die bis auf den heutigen Tag unerschöpfbar zu sein scheinen. Einfach hatte sie es dabei am Anfang wahrlich nicht. Aber so mancher Weggenosse wunderte sich, wie ein derart zierliches Persönchen mit einer so goßen Willenskraft und zähen Ausdauer für seine Ziele kämpfen konnte. Die aufgezwungene Lehre zur Einzelhandelskauffrau, der dramatische Alltag mit einem alkoholkranken Ehemann, der aufopferungsvolle Einsatz für ihre beiden Töchter und andere harte Situationen vor dem großen Durchbruch hätten durchaus das Potential, das narrative Gerüst in einem Krimi zu bilden.

Foto entstanden bei einer Lesung von Petra Hammesfahr in Titz im Juli 2004.
copyright: Günter Jagodzinska (jago)

Frage: Wer Ihren Lebenslauf kennt, hätte großes Verständnis dafür, wenn Sie dem einen oder anderen mißliebigen Zeitgenossen in einem Ihrer Krimis die Rolle des Mordopfers zugeteilt hätten. Wieviele reale Personen haben Sie literarisch ermordet?
Hammesfahr: Bisher noch keine. Die realen Personen sind bei mir stets unter den Übeltätern zu finden, aber so umgeschrieben, dass sie sich selbst nicht wiedererkennen, wenn sie denn mal einen meiner Romane in die Hand nehmen würden, woran ich aber nicht glaube. Solche Leute lesen keine Bücher.


Frage: Ganz in der Nähe Ihres Geburtsorts Titz liegt ein verträumtes Dörfchen namens Grottenherten. Dort spielen sich einige Begebenheiten in Ihrem 1991 erschienenen Buch "Das Geheimnis der Puppe" ab. Ist es lediglich der geheimnisvolle Klang des Wortes "Grottenherten" , der Sie dazu veranlasst hat, diese Lokalität zu wählen, oder gibt es andere, eventuell persönliche Gründe?
Hammesfahr: Ein persönlicher Grund war meine „Ortskenntnis“. Ich habe einige Jahre im Nachbarort Kirchherten gelebt und fand, dass eine Geschichte wie diese gut dorthin passt.

Frage: In einer Kritk schreibt eine Leserin zu diesem Buch: "Emotionen waren so real, sozusagen greifbar geschrieben, dass ich zum Schluss sogar weinen musste". Was bedeuten Ihnen solche Aussagen?
Hammesfahr: Es ist mir sehr wichtig, so real wie nur möglich zu schreiben, auch und vor allem, wenn es um Emotion geht. Das macht Romanfiguren so authentisch, dass man glaubt, die Leute zu kennen.


Frage: Ihr Schreibstil erinnert in gewissen Werken an den von V.C. Andrews, wie man ihn aus der "Blumen der Nacht"-Trilogie um die Kinder von Foxworth Hall kennt. Haben Sie literarische Vorbilder, deren Romane Sie selbst gerne lesen?
Hammesfahr: Vorbilder habe ich nicht, nur Romane, die ich selbst gerne lese. Aber die möchte ich nicht kopieren. Ich kopiere nicht einmal mich selbst, deshalb gibt es bei mir keine Serienfigur, nur einen Kommissar, der in mehreren Romanen auftaucht, allerdings nicht als Hauptfigur. Mich reizt einfach die Herausforderung, mit jedem neuen Buch wieder bei null anfangen zu müssen.


Frage: In einem Interview sagten Sie vor einigen Jahren, dass Ihr Sohn immer sage "Schreib doch mal einen Liebesroman", aber dass Sie dieses Genre nicht interessiere. Ist es nicht so, dass in Ihren meisten Büchern dennoch das Thema Liebe, Lust und Leidenschaft mit all seinen Facetten eine enorm große Rolle spielt?
Hammesfahr: Natürlich, Liebe und Leidenschaft sind neben Habgier nun mal die Hauptmotive für Mord und Todschlag. Ich habe einige Bücher geschrieben, die man durchaus als Liebesromane bezeichnen könnte – mit tragischem Ende, das unterscheidet sie von dem, was in diesem Genre sonst üblich ist.


Frage: Abschließende eine Frage zu Ihrem Verhältnis zu Ihrer Heimatgemeinde Titz. Vor einigen Jahren waren Sie der Einladung nach Jackerath zum Jubiläumstreffen Ihrer ehemaligen Klassenkameraden gefolgt. Haben Sie, heute in Kerpen wohnend, immer noch Bindungen an die alte Heimat und welche Erinnerungen sind Ihnen präsent geblieben?
Hammesfahr: Meine Tante lebt in Titz, das ist für mich eine starke Bindung, von ihr habe ich als Kind nämlich das erste Buch und viele weitere geschenkt bekommen. Ich erinnere mich auch gerne an meine Schulzeit in Titz. Es waren unbeschwerte Jahre, wenn ich all die netten oder heiteren Episoden aufzählen wollte, die mir noch im Gedächtnis sind, käme wahrscheinlich ein Buch heraus.


copyright Text und Fotos:
Max Günter Jagodzinska
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