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Donnerstag, 21. Februar 2013

Josef Rabbertz und die Wahl

EHRE WEM EHRE GEBÜHRT (?) oder
Wie Josef Rabbertz zum beliebtesten Schiedsrichter Deutschlands wurde

„DFB Schiedsrichter“ nennt sich eine facebook-Gruppe mit 1068 „Gefällt mir“ Klicks und bezeichnet sich selbst in der Beschreibung als „Inoffizielle Seite für Fußball-Schiedsrichter und andere Interessierte“. 1068 ist nicht gerade eine überwältigende Zahl von Freunden, dies erreicht beispielsweise jeder zweite auf facebook beheimatete halbwegs pfiffige Jugendliche. Dass man in einer solchen Gruppe Abstimmungen prima lenken kann, wenn man es clever genug anstellt, zeigt sich am Beispiel der von „DFB Schiedsrichter“ geposteten Umfrage „Wer ist Deutschlands bester Schiedsrichter“. Nachdem die bekannten Namen Knut Kircher oder Wolfgang Stark die ersten Stimmen bekamen, hatte ein User aus dem Fußballkreis Düren die lustige Idee „unseren Josef Rabbertz“ vorzuschlagen.
 

Gesagt, getan - dann die richtigen Kommentare gepostet, die ersten Kumpels zum Abstimmen animiert und somit Josef Rabbertz schnell an die Spitze der Abstimmung gebracht. Jetzt brauchte die Umfrage nur noch in die richtigen Gruppen aus Jülich und Titz geteilt werden und der Abstand vom Leader Josef Rabbertz zum nächstplatzierten Knut Kircher erreichte Bayern-München-Verhältnisse.
Labbertz oder Rabbertz
„Leute, wer ist Josef Labbertz (Anm. des Schreibers: Nein, das „L“ anstatt des „R“ ist kein Tippfehler), und woher kennt ihr ihn. Ich selber hab' keine Ahnung“, fragte der sichtlich verzweifelter DFB-Schiedsrichter-Admin. Eine kurze Aufklärung, garniert mit meinem Aufruf: „Jawoll, Rabbertz und sonst keiner“ reichte, um die Verzweiflung perfekt zu machen. Die Stimmen für Josef Rabbertz erreichten inzwischen die Hundertergrenze. Verwirrt hakte der Admin nach: „Josef Rabbertz aus der Kreisklasse Düren ist laut 100 Leuten der beste Schiedsrichter Deutschlands. ist das euer Ernst?“

Das konnte so nicht stehen gelassen werden. Also habe ich ein fein formuliertes Posting hinterhergeschoben: „Lieber user 'DFB Schiedsrichter': Ich habe Josef Rabbertz in vielen Spielen pfeifen gesehen. Wer beobachtet, wie der alte Mann bei Wind und Wetter, bei Kreisliga- und auch bei Benefiz-Spielen Einsatz zeigt, der weiß, weshalb so viele ihn für den besten halten. Seine Regelauslegung ist manchmal vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig :-) aber immer unparteiisch und fair. Also, was für ein Problem habt ihr mit der Wahl von Josef Rabbertz?“
Die wahren Helden
Damit war der Kampf gewonnen, der Admin streckte resigniert die Waffen und kommentierte: „Oft sagen Funktionäre Sätze, wie: 'die Basis ist das Wichtigste, da spielen / pfeifen, die wahren Helden.' Also insofern geht die Wahl von Josef Rabbertz in Ordnung. ;)“
Na also, geht doch. Auch wenn der Admin mit dem Versuch einer Stichwahl zwischen Knut Kircher und Josef Rabbertz noch einen letzten Anlauf unternahm, einen bekannten Bundesliga-Schiedsrichter an die Spitze zu pushen, stand er dank der gnadenlos für Rabbertz votenden Jülicher und Titzer Sportsfreunde auf verlorenem Posten. Das amtliche (welches Amt damit gemeint ist, muss noch ausgesucht werden) Ergebnis lautet: Zu Deutschlands bestem Schiedsrichter wurde mit 194 Stimmen (Stand: 22.2.2013) Josef Rabbertz gewählt. Den zweiten Platz belegt abgeschlagen Knut Kircher mit 91 Stimmen, Platz drei geht an Wolfgang Stark mit 72 Stimmen.

Zurück in die Realität
So, nachdem der Spaß nun gelungen ist, soll aber auch ein Aktiver aus dem Fußballkreis Düren zu Wort kommen, der die Situation so schildert, wie sie die Jungs auf dem Platz Sonntag für Sonntag erleben: „Ne, ne, ne, also irgendwan muss Schluss sein und das war bei Jupp vor 15 Jahren! Für die Leute außerhalb des Spiels mag es lustig sein aber für die Jungs auf dem Feld heisst das Scheiß-Leistung ... Punkt! Sowas darf nicht sein, es werden auch in der Kreisklasse Meisterschaften ausgetragen.“ Recht hat er!
 
copyright Text und Fotos:
Max Günter Jagodzinska
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