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Dienstag, 21. Oktober 2014

EIN SEHR GUTER TAG ...


wäre die Voraussetzung für einen Sieg des FC gegen den BVB, meinte Kölns Trainer Peter Stöger vor dem Heimspiel gegen den Tabellennachbarn aus Dortmund. Was sind die Zutaten für einen solchen guten Tag, wenn man zuletzt drei Mal in Folge verloren hat? Da wäre zum Beispiel die Aufforderung von Matthias Lehmann: "Wir müssen im letzten Angriffsdrittel auch Mut zu Torschüssen entwickeln, den Abschluss suchen, statt nur zu passen." Der alte Matthias hat offensichtlich seinem Trainer brav zugehört, der gefordert hatte, dass die Mannschaft aktiver sein müsse.
 
Aktiver wollen auch die Dortmunder sein, ganz besonders beim Punktesammeln. Ganz schön kess von Klopp, das Gastspiel in Köln nach dem ziemlich dürftigen Saisonauftakt zum „Neustart in die Saison“ auszurufen. Neustart kann nichts anderes als Sieg heißen. Möchte mal wissen, wo der die Gewissheit her nimmt, dass Müngersdorf zur Wiege der gelb-schwarzen Erfolgsserie wird. Der gute Mann hat wohl noch nicht mitbekommen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen der FC für jeden angezählten Verein automatisch ein willkommener Aufbaugegner war. Außerdem hat Stöger direkt nach der bitteren Niederlage in Frankfurt das Match nach der Länderspielpause als Auftakt einer Kölner Siegesserie angekündigt.
 
Nachdem sich das Lazarett auf beiden Seiten lichtet, darf man mit Spannung erwarten, wie die Startformationen aussehen werden. Dortmund mit Reus oder Gündogan oder … Moment, muss mal gerade im aktuellen Geißbock-Echo nachsehen, wie der geschrieben wird … oder Mkhitaryan, oder zwei davon, oder alle drei? Wird ganz schön knifflig für Stöger, die richtige Taktik für alle Varianten in der Hinterhand zu halten. Der FC mit Kazuki Nagasawa oder Dusan Svento oder Tomas Kalas? Wenn ich mir mal ganz in Ruhe betrachte, welche Alternativen sich im FC-Kader inzwischen bieten, setzt spontanes Staunen ein. Und zwar darüber, dass ich überhaupt nicht mehr nervös werde, wenn ich mir vorstelle, dass ein Stammspieler ausfällt. Gutes Gefühl. Klingt gut, wenn der Chefcoach in der Spieltags-Pressekonferenz selbstbewusst feststellt: „Wir können punkten, auch wenn es schwer fällt.“ Ich lasse es noch ein wenig besser klingen und sage: „Wir werden punkten.“
 
Start der Siegesserie
 
Ist das schön, wenn man als Fan vor dem Spiel den Mund ziemlich voll genommen hat und nach dem Abpfiff damit angeben kann. Nun ja, das sind halt die kleinen Freuden, die das Fansein so großartig machen können. Hab' ich doch gleich gesagt, dass wir punkten werden … Okay, hätte genau so gut in die Hose gehen können, isses aber nicht! Der Kölner Stadt-Anzeiger schrieb kurz nach dem Spiel: „Der 1. FC Köln beendet mit einem knappen 2:1-Heimerfolg gegen Borussia Dortmund die Talfahrt“ und „Simon Zoller war der Matchwinner“. Ich weiß nicht, aber „Talfahrt“ kommt mir stark übertrieben vor. Davon könnte man sprechen, wenn als Saisonziel ein Platz in den Top 5 ausgegeben worden wäre, liebe Stadt-Anzeigers – aber dass dem nicht so ist, habt ihr doch bestimmt realisiert, oder? Und Simon Zoller als Matchwinner zu bezeichnen nur weil er den Ball aus vier Metern nicht neben das leere Tor, sondern zwischen die Pfosten geschossen hat, na ja das hat schon was von verbalem Slapstick.
 
Damit hätten wir eine schöne Überleitung zu Roman Weidenfeller. Der Bewegungsablauf des BVB-Keepers vor dem 2:1 war eine bemerkenswert gelungene Kombination aus Kung-Fu-Kahn-Sprung und Tai-Chi-Entspannungsdrache. Das Problem war lediglich, dass just in diesem Moment bei aller Schönheit der Körperstudie eine gänzlich andere Aktion angesagt gewesen wäre. Aber das weiß Nationalkeeper Nummer drei selbst am Besten. Fakt ist, dass diesmal der eine spielentscheidende Fehler, anders als bei den Kölner Auswärtsspielen in Hannover und Frankfurt, nicht vom FC gemacht worden ist, sondern vom Gegner. Hinweise über eine angebliche Dortmunder Feldüberlegenheit, mehr Torchancen oder was weiß ich sonst noch für statistisch ermittelte Vorteile der Gäste nehme ich schmunzelnd hin und antworte mit einem kaum wahrnehmbaren Fingerzeig auf das Endergebnis.
 
Selbstbelohnung
 
Was mir nebenbei bei Kurzinterviews mit irgendwelchen Spielern egal welchen Vereins nach egal welchen Spielen aufgefallen ist, ist eine ganz bestimmte Aussage, die man wohl einmal im Leben unbedingt vor laufenden TV-Kameras gesagt haben muss. „Heute haben wir uns für unser Spiel selbst belohnt“ oder „Wir müssen dafür sorgen, dass wir uns selbst belohnen“. Je nach Spielausgang ist eine der beiden Phrasen so oder leicht abgewandelt zu hören. Damit wäre also „Am Ende des Tages blabla ...“ vom Spitzenplatz der coolsten Ansagen verdrängt. Bleibt die Frage offen, ob der 1. FC Köln am Freitag in Bremen Robin Dutt vom Trainerstühlchen verdrängt.
 
Diesmal gibt’s zum Abschluss eine Preisverleihung: Der „Preis der Erkenntnis“ geht an Schiedsrichter Marco Fritz aus Korb dafür, dass er die fiese Schwalbe von Henrikh Mkhitaryan erkannt und mit Gelb „belohnt“ hat. Endlich mal ein Schiri, der etwas gegen diese Seuche unternommen hat, müsste viel öfter so sein.
 

 
Max Günter Jagodzinska
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